Berg- und Kulturreise in die Türkei mit Ararat (5137m) und nach Georgien mit Kazbek (5047m)

Die Türkei und der Ararat (5137m)

Wer in die Türkei reist, macht dies hauptsächlich, um einen Badeurlaub am östlichen Mittelmeer in den bekannten Orten zu verbringen. Einige verschlägt es auch nach Istanbul, um die pulsierende Stadt am Goldenen Horn zu besuchen.

Eine Handvoll Berg- und Kulturbegeisterter verschlägt es ganz in den Osten des Landes, ins Kurdenland, ins Dreiländereck Türkei, Iran und Armenien. Die Anreise in das ausgesprochen interessante Gebiet erfolgt via Istanbul nach Van am gleichnamigen See.


Von Mitteleuropa aus bedienen ein paar Linien diese Strecke, wobei wahrscheinlich die Turkish Airlines am günstigsten im Preis und mit der Verbindung sind, vor allem da es dann nach Van wohl mit einer Partner-Airline weitergeht. Istanbul bedienen von Wien aus auch Austrian Airlines und von Deutschland Lufthansa. Zu beachten ist, dass in Istanbul eventuell vom europäischen Flughafen zu jenem im asiatischen Teil gewechselt werden muss. 

Ein Grund mehr, zum Auftakt ein paar Tage in Istanbul zu verbringen.
Nicht nur der alles überragende Ararat sollte auf dem Programm stehen, es empfiehlt sich auch die Umgebung samt Kultur und historischem Hintergrund zu besuchen. 

Da gibt es einmal die Insel Ahtamar im Vansee oder den Ishak Pasha Palace nahe Dogubayazit, weiter nördlich die Ruinen von Ani an der Grenze zu Armenien. Ebenso lohnenswert ist auch ein gemütlicher Bummel durch die größte Stadt am Ararat, nämlich Dogubayazit. Dort hat man von vielen Punkten aus ein tolles Panorama auf den schneebedeckten Ararat. Spätestens beim ersten Anblick des behäbigen Bergklotzes macht sich in einem der Wunsch breit, den Gipfel zu erreichen, sofern man nicht ohnehin mit der Absicht gekommen ist, den Berg zu besteigen.

Auch wenn der Große Ararat im Fokus steht, so kann man schon am Vansee schöne Touren machen. Hier bietet sich etwa der doch anstrengende Mount Süphan (4058m) an, der mit einem Vansee-Panorama punktet. Wer in unmittelbarer Nachbarschaft des Ararat eine Tour sucht, wird im Kleinen Ararat (3926m; türkisch Küçük Ağrı Dağı) fündig.

Die Besteigung des Großen Ararat (türkisch Büyük Ağrı Dağı) erfordert je nach Akklimatisation vier bis fünf Tage, wobei 3000 Höhenmeter zu bewältigen sind. Am ersten Tag wird man von Dogubayazit im halbwegs geländegängigen Kleinbus zum Ausganspunkt gebracht. Von Cevirme (2150m) wandert man dabei gemütlich ins Base Camp (3360m), das schwere Gepäck wird von Pferden getragen. Hier steht die erste Zeltnacht bevor. Wer noch nicht 100% akklimatisiert ist, steigt am nächsten Morgen mit leichtem Marschgepäck ins Camp 2 auf 4150m auf, wo man sich schon sehr nahe am ersehnten Gipfelziel wähnt. 

Nach einem kurzen Aufenthalt steigt man wieder ins Base Camp ab, wo man noch eine Nacht verbringt, ehe man am nächsten Tag mit frischen Kräften erneut zum Camp 2 aufsteigt. Die folgende Nacht ist kurz. Zwischen 1:00 und 2:00 Uhr wird normalerweise aufgebrochen, wobei man im Schutt und Blockwerk lange mit Stirnlampe geht. Wenn man den ersten Schnee des Gletschers erreicht, hat man praktisch den steilsten Abschnitt hinter sich und man wandert in etwa 30 - 45 Minuten über das Gletscherdach zum höchsten Punkt mit Stange und Gebetsfähnchen. 

Bei guten Schneeverhältnissen kann man sogar auf die Steigeisen verzichten, im Rucksack sollte man sie in jedem Fall haben. Der Aufstieg auf den höchsten Berg der Türkei erfordert – je nach Kondition und Akklimatisation – 4 bis 6/7 Stunden. Unterschätzen darf man dabei nie die Höhe – immerhin 5137m – und die klimatischen Bedingungen. Hat man unten im anatolischen Hochland um die 30°C oder mehr, kann es am Ararat bitter kalt werden, besonders wenn man im Nebel steht und der Wind stark bläst. 

Solche Bedingungen drücken dann auch auf die Psyche. Im Normalfall steigt man nach einer verdienten Gipfelpause ins Camp 2 ab, rastet dort, erholt sich, um dann weiter ins Base Camp zu gelangen. Zufrieden nächtigt man dort noch einmal im Zelt, ehe es am nächsten Morgen hinunter zum Ausgangspunkt geht.
Der Ararat ist auch als Skitour zu machen (beste Zeit April – Mai).

Zurück in Dogubayazit muss man sich entscheiden, wie die Reise weitergehen soll. Dabei stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl: Heimflug, Weiterreise nach Iran mit Besteigung des Demawand (5671m), Weiterreise nach Georgien mit Besteigung des Kazbek (5047m) und von Tbilisi heim oder man hängt auch noch den Elbrus (5643m) in Russland an und fliegt von Moskau zurück nach Österreich.

Georgien und der Kazbek (5047m)

Wie auch immer man nach Tbilisi reist, die Hauptstadt Georgiens ist wohl der Ausgangspunkt jeder Unternehmung in dem kleinen Kaukasusland. Entweder man kommt direkt aus Österreich oder Deutschland (Flüge mit Turkish Airlines via Istanbul, Lufthansa von Deutschland aus), oder man hat eine Kombination mit dem Ararat vor. Im zweiten Fall reist man wahrscheinlich in einem Kleinbus von Ostanatolien nach Norden, kann auf der Strecke die Ruinenstadt von Ani mitnehmen und erreicht dann von Südwesten her Tbilisi, Georgiens quirlige Hauptstadt, die nicht nur viel Kultur, sondern auch pure Unterhaltung, tolle Lokale und einfach ein nettes Ambiente liefert. 

Die Stadt zu entdecken macht wirklich Spaß, für Unterhaltung am Abend ist auch gesorgt. Man sollte allerdings bedenken, dass es im Hochsommer sehr heiß werden kann. In unmittelbarer Umgebung von Tbilisi gibt es noch mehr kulturelle Höhepunkte wie etwa Mzcheta, die alte Hauptstadt des Landes. Sie hat 7.423 Einwohner (Stand 1. Januar 2005) und liegt nur wenige Kilometer nördlich von Tiflis am Zusammenfluss der Flüsse Kura und Aragwi im Großen Kaukasus. Sie war die mittelalterliche Hauptstadt Georgiens und ist ein religiöses Zentrum des Landes. Die Kulturdenkmäler von Mzcheta gehören zum UNESCO-Welterbe.

Die archäologischen Forschungen belegen, dass die Stadt seit über 3.000 Jahren existiert. Mzcheta ist eine Schatztruhe für Archäologen. Die in ihrer Nähe ans Tageslicht gelangten Funde stammen aus einer Zeit, als das Mittlere Ägyptische Reich und Babylon im Zenit ihres Ruhmes standen. Fast 1.000 Jahre, bis zum 6. Jahrhundert, war Mzcheta Hauptstadt des iberischen Reichs, neben den Königreichen Kolchis an der Schwarzmeerküste und Kartlien, ein Vorgängerstaat des heutigen Georgien.
Die Reise in den georgischen Kaukasus ist ebenfalls faszinierend und führt auf der alten Heeresstraße (E117), die Georgien mit Russland verbindet, nach Nordwesten. Via Gudauri, einem von österreichischen und schwedischen Investoren errichtetes Skiresort auf 2196m, geht es auf den Kreuzpass (2379m) mit herrlicher Aussicht in die umliegende Bergwelt. 

Nach Norden geht es dann hinab in das 1700m hoch gelegene Stepantsminda (Stepanzminda) am Fuße des Kazbek. Erste Erkundungstouren können in das kleine Bergmuseum des Ortes oder als Wanderung zur Gergeti Sameba Kirche (2150m) führen. Sowohl vom Ort selber als auch vom kleinen Kirchlein hat man einen gewaltigen Blick auf den Kazbek, Gipfelziel der nächsten Tage.
Die Anforderungen am Kazbek liegen deutlich über jenen am Ararat, aber sind auch höher als die am Elbrus in Russland. So steiles Eis wie in der Gipfelflanke am Kazbek gibt es bei den anderen kombinierbaren Bergen nicht. Von der Gergeti Sameba Kirche rechnet man mit 3000 Höhenmetern zum Gipfel, startet man in Stepantsminda kommen nochmals 400 Höhenmeter dazu. Also wird jeder Bergsteiger danach trachten, sich mit einem geländegängigen Fahrzeug auf der holprigen Straße hinauf zur Gergeti Sameba Kirche bringen zu lassen. Auch von hier ist es noch weit bis zum Gipfel. 

Der erste Abschnitt ist der Anstieg zur Bethlemi Hütte (auch Betlemi Hütte). 
Vom Gergeti Kirchlein bis zum Arsha Pass (2940m) ist die Tour eine wunderschöne Wanderung, die für jeden machbar ist. Auch die Querung mit leichtem Höhenverlust zu einem Zeltplatz ist kein Problem. Doch dann wird das Gelände deutlich alpiner. Im Moränenschutt des Gergeti Gletschers geht es zum ortographisch rechten Rand der Eiszunge. Je nach Verhältnissen benötigt man am Gletscher Steigeisen, obwohl die Neigung moderat ist (bei Blankeis unbedingt notwendig). Glaubt man die Gletscherzunge überquert zu haben, weil man sich im Sand und Schutt befindet, irrt man sich gewaltig. Auch unter den Ablagerungen sind Spalten zu finden. Erst wenn man im Schutt und Blockwerk unterhalb der Bethlemi Hütte steht, kann man fürs Erste entspannen.

In 45 Minuten geht es dann steil und mühsam zur Hütte hinauf.
Die Bethlemi Hütte – Komfortverzicht wird angekündigt, was jedoch reichlich untertrieben ist. Auf zwei Plätzen müssen sich vier Personen zusammenquetschen, an den Wänden befindet sich Schimmel. So lernt man wenigstens unsere Alpenhütten schätzen, die die reinsten Luxusherbergen gegen die Bethlemi Hütte sind. Immerhin ist es in dieser warm – wohl auch, weil sich so viele Menschen auf wenig Platz zusammendrängen. Die sanitären Einrichtungen (darf man diese überhaupt so nennen?) sind einfach unter jeder Kritik. Trotzdem nimmt man alles in Kauf, um den Kazbek zu besteigen.

Gergeti Sameba Kirche (© Andreas Koller)

Zwischen 1:00 und 1:30 Uhr geht es am nächsten Morgen los, indem man mit Stirnlampe im Moränenschutt und Blockwerk zum Mittelteil des Gergeti Gletschers quert. Irgendwie ist man froh, wenn man das Eis erreicht, aber es ist noch dunkel. So muss man sich nur im Schein der Stirnlampen den Weg über den mit Schutt und Felsen bedeckten Gletscher suchen (Achtung: eher am ortographisch linken Rand aufsteigen – nicht in die Mitte des Eisstromes queren). Noch im Aufstieg zu einem Schneesattel (= Grenze zu Russland) geht die Sonne auf. Spätestens ab diesem Zeitpunkt weiß man, warum all die Mühen, die schlaflosen Nächte auf sich genommen hat. Am Sattel selbst empfiehlt es sich, eine ausgiebige Rast zu machen und sie Gletscherwelt des Kaukasus zu bewundern. Gestärkt traversiert man zu den steilen Nordwestflanken des Kazbek

Man hat den Berg praktisch von Osten kommend umrundet, um die einzige Schwachstelle auszunutzen. Spätestens ab hier muss man Steigeisen anlegen, denn es wird wirklich steil. Plötzlich steigt man dann auf einer eisbedeckten Schulter (4900m) aus und hat ein tolles Panorama. Die letzten 150 Höhenmeter könnten nun noch Kopfschmerzen bereiten. Ist Blankeis in der Gipfelflanke, so muss unweigerlich mit Eisschrauben gearbeitet werden. Bei guten Schneeverhältnissen steigt man die an die 45° steile Flanke zwar schnaufend, jedoch recht zügig zum Gipfel hinauf. Ein gewaltiges Panorama wartet dort auf den Bergsteiger. An klaren Tagen reicht der Blick vom Elbrus bis zum Ararat oder gar Demawand. Jetzt hat sich der 6 – 8-stündige Anstieg von der Bethlemi Hütte wirklich ausgezahlt.

Nachdem man die Aussicht genossen und sich ordentlich gestärkt hat, folgt die Konzentrationsübung des Abstiegs in der Steilflanke (Achtung: man ist nach dem langen Aufstieg schon ein wenig müde). Ein langer Gletschermarsch wartet dann noch von der Schulter bis zur Bethlemi Hütte. Obwohl man weiß, dass man noch einmal zusammengepfercht in der Hütte übernachten muss, ist man erstaunlicherweise doch froh, die Unterkunft für die Nacht zu erreichen. Am nächsten Morgen geht es dann gemütlicher zu, wenn der Abstieg zur Gergeti Sameba Kirche ansteht. Trotz der Mühen und Entbehrungen ist der Kazbek ein gewaltiges Erlebnis und bergsteigerisch eindeutig über Elbrus, Demawand und Ararat zu stellen.

Der Kazbek wird auch mit Skiern bestiegen (beste Zeit Mai – Juni).
Wer nach der Kazeb-Besteigung die bergsteigerischen Ambitionen erfüllt hat, wird nach Tbilisi zurückkehren, dort vielleicht noch ein paar Tage entspannen und dann nach Österreich zurückkehren. Allerdings ist es auch nicht mehr weit zum Elbrus, die georgisch-russische Grenze ist nah und dieser Gipfel auch verlockend.
Eine weitere Überlegung wert ist auch, noch andere Gipfel im georgischen Kaukasus zu erklimmen.
© Andreas Koller

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