Klettern auf Sardinien

Laut der Entstehungsgeschichte von Sardinien hatte Gott, nachdem er die Welt geschaffen hatte, noch einige Steinbrocken übrig. Als er diese ins Meer warf und darauf seinen Fußabdruck hinterließ, entschied er sich, von allen Kontinenten die schönsten Dinge zu nehmen um sie über Sardinien zu verteilen. Dabei hat er wohl auch an Kletterer gedacht. Sardinien, die "Karibik Europas", ist weit mehr als Luxusyachten, Costa Smeralda und Traumbuchten. Dank der interessanten und felsigen Landschaft hat sich die Insel schon längst zu einem beliebten Klettergebiet entwickelt. Und wer würde nicht gerne einen Aufenthalt am Fels mit einem Badeurlaub verbinden? Sardinien zum Klettern, Bouldern und Baden - ein kurzer, subjektiver Überblick.

Auf Sardinien findet man tolle Felswände zum Sportklettern direkt am Meer, interessante Bouldermöglichkeiten oder anspruchsvolle Routen im Landesinneren. Die Möglichkeiten sind vielfältig, die Gebiete teilweise recht verstreut oder etwas konzentrierter, wie zum Beispiel im Osten mit den Kletter-Hot-Spot Cala Gonone und den Möglichkeiten im Hinterland um Dorgali und Nuoro. Fährt man weiter südlich erreicht man Jerzu in der Provinz Ogliastra. Die eindrucksvollen Kalkfelsen sind eher etwas für anspruchsvolle Techniker, bieten aber auch einige einfachere Routen. Um Baunei finden sich ebenfalls interessante Routen, Domusnovas und Iglesias sind beliebte Spots im Südwesten.

Cala Fuili: Traumstrand und Klettergebiet
© G.Kwapisz


Je nachdem wie lange man Zeit hat, sollte man vorab planen, auf welche Regionen man sich konzentrieren will. Auch, wenn die Insel nicht sehr groß ist und die Entfernungen in Kilometer nach "nichts" aussehen, so können Anfahren teilweise länger dauern als geplant, kurvigen Straßen oder holprigen Schotterpisten sei dank. Dies betrifft hauptsächlich Plätze im Landesinneren.

Klettern in Cala Gonone

Zum Einsteigen, Wiederkommen oder Genießen - jeder der sich mit Klettern auf Sardinien beschäftigt, stößt irgendwann auf diesen Hot-Spot. Die Steilküste rund um Cala Gonone ist nicht nur für Kletterer beeindruckend. Hier finden sich auch viele schöne Badebuchten, die teilweise nur per Boot oder durch eine anstrengende Wanderung zu erreichen sind. Die Felsnadel Aguglia am Traumstrand Cala Goloritze hat sich zum Wahrzeichen für Kletterer entwickelt  (Routen um 6b). Bereits einen Katzensprung vom Ort Cala Gonone entfernt liegt die Bucht Fuili, ein Traumstrand mit türkisblauem Wasser, steilen Felswänden und Start der Wanderung zur Cala Luna, einem weiterem Klettergebiet direkt am Meer. Hier in der Fuili-Bucht wird es schnell voll, der Strand ist per Auto erreichbar und sehr beliebt.
Direkt am Meer gibt es ca. 40 Routen hauptsächlich im Bereich 5a bis 6b. Einige hundert Meter taleinwärts befinden sich unzählige, auch deutlich schwierigere Anstiege. Die Absicherung erfolgt mittels Haken und es gibt auch einige Routen im Schatten, wobei die Mehrheit doch in der Sonne liegt. Zum Glück ist die Abkühlungsmöglichkeit nicht weit entfernt.
Die Felswände an der Cala Luna bieten mehrere Überhänge, sowie Routen im Schwierigkeitsgrad 6c bis 8a+. Wer nicht wandern will, kann ein Boot nehmen - die gibt es wirklich reichlich ab Cala Gonone.

Sektor in Cala Gonone (Fuili)
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Sektor in Cala Gonone (Fuili) am Strand
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Bouldern am Capo Testa

Der Norden (die Gallura) ist spätestens seit der Costa Smeralda weltbekannt, aber abseits dem Luxus besticht die Gegend durch abwechslungsreiche Felsszenerie, dicht bewaldetes Hinterland und zerklüftete Küsten. Diese Merkmale finden sich auf auf der Insel La Maddalena. Das zerklüftete Capo Testa mit seinem Felsirrgarten direkt am Meer wird oft als Bouldergebiet genannt. Hier sind Haken tabu! Leider ist es vor Ort schwer (besonders ohne guter Literatur) gute Bouldermöglichkeiten zu finden. Denn obwohl man von allen Seiten von fantastischen Felsblöcken umgeben ist, ist es oft schwer, ein Crashpad zu platzieren. Wer sich hier aber etwas Zeit nimmt, findet irgendwann bestimmt einen guten Spot. Auch auf La Maddalena finden sich zahlreiche Boulderfelsen, wenn man mit offenen Augen durch die Landschaft fährt.

Felsirrgarten am Capo Testa (Valle Luna)
© G.Kwapisz

Allgemeine Tipps 

Ein Mietauto ist Pflicht. Beste Reisezeit ist die Nebensaison (April, Mai, teilweise Juni, ab September). Sardinien ist dann nicht so teuer, wie es oft beschrieben wird. Unterkunftsmöglichkeiten - von Campingplätzen über Bed&Breakfast, Ferienwohnungen bis hin zu Hotels - gibt es reichlich. Eigene Ausrüstung mitbringen und los geht´s.

Buchempfehlungen:
Arrampicare a Cala Gonone (Corrado Conca)
Der Führer beschränkt sich auf das Klettermekka Cala Gonone, das sich durch gute Erreichbarkeit und touristische Infrastruktur auszeichnet. Die vielen Routen direkt am Meer sind sicherlich auch ein Magnet für dieses tolle Gebiet. (Buch in italienischer Sprache mit englischer und deutscher Übersetzung)

Pietra di Luna - Sportkletterführer Sardinien
Doie Bibel von Maurizio Oviglia mit über 600 Seiten und einer riesen Auswahl an Routen. (in deutscher Sprache)


Welche Erfahrungen mit Klettern oder Bouldern auf Sardinien hast du gemacht? Schreib uns!


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