Bergtouren mit Hunden im Winter

Wer mit seinem Vierbeiner auch im Winter in den Bergen unterwegs sein möchte sollte dabei einiges beachten. Top-User und Hundeliebhaber Andreas gibt in seinem Bericht Tipps zu Wintertouren mit Hunden. Wenn ihr gerne Ski- oder Schneeschuhtouren geht und einen Hund habt, solltet ihr also auf jeden Fall weiterlesen... 

Ein Bericht von Andreas Koller

Nachdem ich im Mai 2013 einen Blog über Touren mit Hunden im Sommer verfasst habe, möchte ich nun auf Winterunternehmungen mit unseren vierbeinigen Freunden eingehen. Grundsätzlich sind die Bedingungen für eine gelungene Bergtour im Sommer wie im Winter gleich: eine gute Planung, eigene Voraussetzungen und die des Hunds , Verpflegung, Wetter! Dennoch scheint mir eine Wintertour größere Anforderungen an Mensch und Tier zu stellen als eine im Sommer, und zwar nicht nur auf Grund der strengeren klimatischen Gegebenheiten.

Vorplanungen


Während man im Sommer bloß auf die Wegbeschaffenheit achten muss (z.B. Felsschwierigkeiten bzw. Steilheit des Geländes), ergeben sich für eine erfolgreiche und zufriedenstellende Wintertour mehrere Aspekte, die es zu durchdenken gilt. Die beginnen schon damit, dass man sich zuerst einmal mit den genauen Routenbedingungen auseinandersetzten sollte. Tiefer Pulverschnee kann etwa einem Hund das Weiterkommen unmöglich machen. Natürlich erkundigt man sich vorher bei einem Einheimischen nach den Schneeverhältnissen und man bekommt auch immer eine (für einen Skitourengeher) präzise Auskunft, doch wissen wir alle, dass gerade im Winter die Schneehöhen derart unterschiedlich sein können, dass ein Hund so ganz einfach einmal im Schnee stecken bleibt und nicht weiter kommt. Es mag lustig sein, wenn Hund auf einmal weg ist, aber dies kann in der Folge auch gefährlich werden.

© Andreas Koller
Schneeschuhtour Alp Sot


Grundsätzlich lieben die meisten Hunde den Schnee und blühen darin richtiggehend auf, aber man muss schon bei der Tourenplanung bedenken, dass der Skitourengeher bei der Abfahrt dann doch einen großen Vorteil hat. Was im Aufstieg vielleicht noch lustig sein kann, wird bei der Abfahrt rasch mühsam und kann für den vierbeinigen Begleiter ein hoffnungsloses Unterfangen werden. Natürlich spielt hier auch die Größe des Hundes eine Rolle. Bei 45cm Schulterhöhe schauen bei 50cm Pulverschnee gerade einmal die Ohren aus der weißen Pracht. Und dann weiterkommen… Im schlimmsten Fall wird einem der im Winter ohnehin viel kürzere Tag noch einmal zu kurz und man ist in der Dunkelheit noch unterwegs. Wenig aufbauend ist dann auch ein rascher Wetterumschwung oder ein berüchtigtes Whiteout.

Ebenso müssen bei der Verpflegung einige Aspekte in Betracht gezogen werden. Im Sommer packt man für Hunzi eine Plastikflasche mit integrierter Trinkschüssel und gefüllt mit Wasser ein. Abgesehen davon löschen die Hunde gerne ihren Durst an den zahlreichen Bächen oder Seen in den Bergen. Im Winter sind selbige zugefroren und Gleiches kann mit dem Wasser in der Flasche passieren, sofern man nicht eine Thermosflasche mitnimmt (die hat dann allerdings keine Trinkschüssel eingebaut).


Gefahren


Hunde sind neugierig, schwindelfrei, wollen alles erforschen und kennen die Gefahren im Winter nicht. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass unsere vierbeinigen Freunde auch auf steilen Flanken, Hängen, Graten ganz einfach einmal ausrutschen. Und einen 35kg schweren Berner Sennenhund, der einem gerade entgegenrutscht, aufzufangen ist alles andere als ein einfaches Unternehmen. Ebenso laufen Hunde so mir nichts dir nichts in einen Lawinenhang, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein. Auch auf Schneewechten hinauszutreten ist für sie unproblematisch. Klar sind sie meistens doch ein wenig leichter als ein Mensch und verteilen ihr Gewicht auf vier Standbeine, aber passieren kann immer etwas.

© Andreas Koller
Schneeschuhtour Bodenwies


Fazit: Hunde erkennen Gefahren nicht, haben also kein Gefahrenbewusstsein, was Lawinen, Wechten, ausgesetzte Grate betrifft, und haben auch keinen Gefahreninstinkt. Ergo auch Hunde stürzen ab oder kommen in den Bergen ums Leben.


Jagdinstinkt


Jeder Hund hat einen mehr oder weniger ausgeprägten Jagdtrieb. Einerseits sind im Winter viel weniger Wildtier unterwegs, Weidevieh gibt es gar keines, jedoch kann es passieren, dass unsere geliebten Pappenheimer sich stattdessen bei abfahrenden Tourenskifahrern oder Rodlern bemüßigt fühlen, mal kurz eine Jagd einzulegen. Warum denn auch nicht, man ist ja auf Beutezug in der freien Natur. Auch hierzu habe ich eigene Erfahrungen gesammelt, einerseits, als meine Carla meinte, eine Rodel sei eine leckere Beute (ich konnte sie erst im letzten Moment bremsen, sonst hätte sie diese wohl gefangen und zu mir gebracht), andererseits auch als lebende Jagdbeute, als ich durch eine enge Waldstelle zischte und mich am Ausgang selbiger schon eine Huskydame sabbernd vor Jagdeifer erwartete, mich dann verfolgte, bis ich stehen blieb. Offenbar war sie von mir als Jagdbeute dann doch sehr enttäuscht, so dass ich sie mit ein paar Streicheleinheiten aufbauen musste. Das Hundehalter-Paar natürlich total aus dem Häuschen, weil Schützling auf Zurufen nicht folgte, konnte ich sie nur beruhigen, indem ich ihnen von meinem Pappenheimer erzählte, der – sofern ich nicht aufpasse – genauso reagiert.



Gesundheitliche Aspekte beim Hund


Auch in dieser Hinsicht ist im Winter auf mehrere Aspekte Augenmerk zu legen.

Augen: Die Augen eines Hundes sind weniger empfindlich als die eines
Menschen. Ergo er braucht keine Sonnenbrille, auch nicht bei Schnee. Zu Augenentzündungen kann es trotzdem kommen (dies gilt auch im Sommer für längere Gletscher- oder Schnee- Touren). Außerdem gibt es sogar Sonnenbrillen für Hunde, ich bezweifle aber stark, dass diese angenehm sind für den Hund.

Pfoten: Je nach Schneebeschaffenheit können auch die Pfoten in Mitleidenschaft gezogen werden. Da helfen geeignete „Hundepatscherl“ für den Winter, die allerdings den Halt im steilen Gelände beeinträchtigen können (Abrutschgefahr). In dieser Hinsicht bin ich eher ein Befürworter der Hundefußpflege, heißt Hirschtalgcreme vor und nach der Tour verwenden. Es gibt auch schon gute Pfotensprays, die die Pfoten nicht einfetten und trotzdem schützen (können immer verwendet werden, in der Stadt, der Natur, für den Berg, in der Wohnung).

© Andreas Koller
Alp Champatsch


Nase: Sensationelles Riechwerkzeug beim Hund, sollte auch bei ärgster Kälte reibungslos funktionieren. Man glaubt gar nicht, was Hunde selbst im metertiefen Schnee erschnüffeln und ausgraben.

Kälte: Große Kälte kann für Hunde dann zum Problem werden, wenn man Pause macht. Auch unsere Vierbeiner schwitzen beim Aufstieg, so dass eine Rast, besonders bei Wind, unserem Liebling zusetzten kann. Erkältungen etc. können dann schwerwiegende Folgen sein. Abhilfe schafft da eine kleine Decke, in die man Hunzi einwickelt, oder eine Jacke oder ein Tuch. Am besten ist es jedoch, die Pausen sehr kurz zu halten und eher ständig in Bewegung zu bleiben. Die Kälte sowie der Schnee erzeugen oft Eisklumpen auf den Ballen der Pfoten oder im Fell. Die Reaktion der Hunde ist dann ein Schlecken an den Klumpen, die dann aber durch die Feuchtigkeit noch größer werden. Hier gilt: je größer die Pfote und je länger das Fell, desto rascher und größer die Klumpen. Einzige Abhilfe verschafft hier Geduld und das Entfernen der ungeliebten Anhängsel.



Anekdote


Bei einer Skitour im Kärntner Mölltal gelang mir einmal das Kunststück einen einheimischen Berner Sennenhund aufzugabeln. Die liebe Tinka – so hieß die Hundedame – begleitete mich doch tatsächlich bis zum Gipfel und wieder ins Tal. Allerdings kamen wir erst in der Abenddämmerung zurück, weil ich nicht gewohnt war, auf einen Hund zu achten. Ich suchte dann natürlich ihren Bauernhof und gab die junge Dame wohlbehalten ab.

© Andreas Koller
Skitour Ochsenkopf: Letzter Aufschwung am SO-Grat


Darum geht es hier aber nicht. In einem großen Südkar unter dem Gipfel lag meterhoher Schnee, so dass Tinka sehr tief einsank. Ich ging vor, spurte also für Mensch und Tier. Auch mir fiel der Anstieg immer schwerer und die Skier glitten nicht wie gewohnt dahin, ganz so, als wärn sie plötzlich viel schwerer als sonst. Erstaunt drehte ich mich langsam um und erkannte, dass die liebe Tinka hinten auf meinen Skiern stand, damit sie nicht einsinke, und brave meine Schritte mitmachte!

Moral von der Geschicht‘: Unterschätze die Intelligenz derHunde nicht!



Resümee


Nach all meinen Ausführungen in meinem Text mag es mühsam und umständlich erscheinen, einen Hund im Winter in die Berge mitzunehmen. Stimmt eigentlich gar nicht, man muss bloß genauer planen, vielleicht lieber eine leichtere Tour machen, und dann steht dem Genießen und Vergnügen nichts mehr im Wege. Es ergibt so viel Spaß, den Hund auch im Winter in die Natur und in die Berge mitzunehmen, dass die paar Nachteile gegenüber dem Sommer bald vergessen sein werden.

Ich persönlich bevorzuge z.B. mit meiner Carla Schneeschuhtouren gegenüber Skitouren aus folgenden Gründen: Bei Schneeschuhtouren habe ich das Problem der Abfahrt nicht, ich bewege mich im Grunde mit ähnlicher Geschwindigkeit bergab wie mein Hund bzw. braucht er mir nirgends nachhecheln. Dort, wo ich mit Schneeschuhen gehen kann, schafft es der Hund auch weiterzukommen (sowohl bergauf als auch bergab). Außerdem kann es bei der Abfahrt auch zu folgenschweren Unfällen kommen. Nicht selten läuft ein Hund voll Übermut in die Stahlkanten der Skier, was meistens böse Verletzungen zur Folge hat.

Also eine gemütliche Winterwanderung oder eine genussvolle Schneeschuhtour machen daher riesigen Spaß, man saugt die Natur auf und freut sich mit seinem vierbeinigen Begleiter, der ausgelassen im Schnee herumtobt.


Tipps


Zur Erziehung des Hundes bzw. zum Umgang mit selbigem (auch bei Wanderungen): www.hundeschweiger.at

Bei Vorträgen, Seminaren, Praxiswochenenden oder –kursen kann man sehr viel von Bernhard Kainz, dem Hundeschweiger, über Hunde erfahren.

Zur Gesundheit des Hundes und ärztliche Tipps erhält man z.B. bei: www.tierplus.at

Standorte von Tierplus gibt es in Wien-Stadlau, Brunn am Gebirge, Klagenfurt und Innsbruck.

Links zu den hier angeführten Touren:


Ochsenkopf - Geheimtipp über dem Mölltal (2536m) / Ski Tour

Alp Sot mit Ortlerblick (2053m) / Schneeschuh Tour

Naturerlebnis Bodenwies (1540m) / Schneeschuh Tour

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