Unterwegs auf unmarkierten Wegen - Teil 2

Unmarkierte Wege bzw. weglos - soll man diese gehen oder ist dies vielleicht verboten!
Was ist zu beachten und wie gefährlich ist es überhaupt, wenn man weglos bzw. unmarkiert unterwegs ist! 


Top-User und Wanderfex Roman (Alpintouren-Username: Datzi) gibt im zweiten Teil seines Erfahrungsberichts wertvolle Tipps zu Wegfindung, Abenteuerfaktor und zu Touren mit Kindern. Viel Spaß beim Lesen und beachtet bitte unsere Diskussion am Ende des Artikels - eure Meinung ist gefragt!

Teil 2. Wegfindung, Abenteuerfaktor, unterwegs mit Kinder

Ein Bericht von Roman Datzenberger, mit Tourentipps von Alpintouren

1. Die Wegfindung:


Dieser Punkt ist sicher der schwierigste. Wie soll ich den Weg finden, der z.B. weglos ist, oder auch durch Wildspuren schwer erkennbar wird. Bei Schneeschuhtouren schon habe ich das beobachtet: Wildspuren folgen zum Teil fast immer denn darunter liegenden Weg (zu ca. 80%). Bei der Wegfindung ist das wichtigste das Gelände, bzw. die Beschaffenheit. Steinschlaggefahr bzw. vereiste Stellen und Schneefelder müssen erkannt werden bzw. vorher schon umgangen werden. Auch sollten immer wieder erhöhte Stellen aufgesucht werden wo man erkennen kann, wo der Weg ist. Sollte zum Teil auch bei der Planung beachtet werden. Auch sollte das Gipfelziel (bzw. Ziel) schon gefunden worden sein. Die Orientierung kann hier mit der Karte bzw. GPS erfolgen! Die Orientierung mit dem Kompass ist schon alt. Aber auch sicherlich eine gute Form vom der Wegfindung. Die Wegfindung mit dem GPS ist für mich am leichtesten. Habe ich eine Tour aufs GPS übertragen braucht man dieser nur mehr folgen. Auch kennt man eine Wegabweichung sofort, nur der eingetragene Weg am GPS stimmt nicht immer 100% mit dem tatsächlichen Weg überein. Das GPS wird bei mir hauptsächlich nur für die Orientierung verwendet die Karte gehört zur Kontrolle (größeren Ausschnitt). Bei dem markierten Weg ist das GPS natürlich eine Spitzenausrüstung, hier sieht man die Wegkreuzung auf der man steht und natürlich auch gleich die Richtung. Außerdem gibt es im Internet schon Seiten wo solche Karten gratis downgeloadet werden können. Z.B.: GPS-Wanderkarte zum Download von Europa.

Sollte der Weg einmal zu gefährlich sein, sollte man unbedingt umdrehen und die geplante leichte Ausweichtour gehen!


2. Das Abenteuer: 


Ich bin schon lange in den Bergen unterwegs, aber die schönste Form von diesen Touren sind sicherlich markierte, weglose und unmarkierte Wege zu einer Tour zu vereinen. Wenn bei der Planung auch Wettereinflüsse oder Tourerweiterungen (zusätzlicher Gipfel) eingeplant werden, kann das Abenteuer noch erweitert werden. Besonders spannend ist immer die Wegfindung, die Steinmanderl, die aufgetürmt sind, aber nicht immer gleich zu sehen sind. Bei einem abenteuerlichen Abstieg vom Höllkamp fand ich auch eine Verpackung von einem Schokoriegel (Also hier war auch schon jemand unterwegs). Auch Wildpfade folgen zum Teil immer einem gut begehbaren Weg. (Man sollte sich aber darauf nicht verlassen) Auch einen Schneesturm erlebte ich auf einen Gipfel, wo ich mein Biwak hatte.

© Datzi
Beeindruckendes Schauspiel


Wildbegegnungen sind für mich immer spannend. Hier nehme ich mir dann einfach Zeit und schaue Murmeltieren beim Spielen zu, Steinböcken bei ihren Revierkämpfen, Wiesel bei ihren geschäftigen Treiben und Durchsuchen von Steinen und Felsen. Nach einem Regen auf einer Hochebene all den Tieren, die sich versammeln. In der Brumpftzeit das Röhren der Hirsche sowie dessen Revierkämpfe. Füchse beim Umherstreunen. Bei einer Überschreitung in Kroatien ist mir ein neugieriger Bär gefolgt. (Konnte ihn aber nicht sehen). Weitere Beispiele von Wildbegegnungen: Ein Rudel Steinböcke mit Jungtieren, die richtig unruhig waren und dies mit einem undefinierbaren Bellen auch zeigten. Hier zeigte sich aber meine innere Ruhe, die auf das Rudel förmlich übersprang. Taranteln die mir auf der Insel Krk bei einer Tour nachliefen und sogar meine Wanderstecken attackierten.


© Datzi
Tour Schüttkogel mit Biwak

Hat man dann noch eine Biwakausrüstung im Rucksack, ist mit einer Vollmondwanderung nach Sonnenuntergang zum nächsten Gipfel das nächste Abenteuer vorprogrammiert, das Gefühl der Freiheit steigert sich noch. Diese Erlebnisse, die ich hier aufgezählt habe, hatte ich hauptsächlich auf den unmarkierten Wegen und im späten Herbst, wenn die Hütten geschlossen waren bzw. abends wenn es in den Bergen ruhig wird. Das wichtigste bei diesen Touren ist, dass man sich ruhig verhält, und diese Tiere nicht aufschreckt. Also die innere Ruhe muss einen richtig förmlich gebackt haben, damit man sich der Tour voll widmen kann und auf das ganze Abenteuer eingehen kann. Mit einem gewissen Respekt vor der Natur, den Bergen und dem Wild, das hier hoch oben lebt, kann man abenteuerliche und wunderschöne Erlebnisse haben. Wenn man respektvoll auf einen bellender Hund zugeht und wartet bis er auf dich zukommt, ist es möglich, dass er sich auf einmal streicheln lässt. (Auch schon erlebt als ich dann ihn die Knie ging). Das Wort Respekt (trifft auf alle Lebewesen zu, auch Pflanzen, Bäume usw.) ist ein wichtiges Wort im Leben, leider haben dies schon viele vergessen. Besonders auf das Hochwild ist bei Schneeschuhtourenzu achten, z.B. während der Balzzeit von Auerhähnen (hier sollte das Wild nicht aufgeschreckt werden). Es gab auch unter den Alpintouren dazu schon einen Blog „Respektiere deine Grenzen“ der mich sehr nachdenklich über meine bereits zurückgelegten Touren machte! 



3. Abenteuer mit Kinder: 


Dies möchte ich hier auch anschneiden. Dieses Thema ist sich ein Tabuthema. Ich selber bin auch schon mit Kindern solche Touren gegangen. Man sollte nur eines Bedenken: Kinder brauchen hier immer einen Erwachsenen der sich in diesem Gelände auskennt. Sollte dem Erwachsenen etwas passieren, ist das Kind alleine, also dies eventuell nur in Gruppen unternehmen. Aber auch wenn Gefahren bestehen, weil man ja Kinder beschützen will, muss man den Mut aufbringen und solche Abenteuer mit Kindern erleben. 
Sehr schön ist es auf einen Bergsee zu wandern, denn man unmarkiert erreicht (Zu den Seen führen immer Wege). Ein Biwak am See ist ein Erlebnis für Eltern mit Kindern, dies schweißt richtig zusammen. Hier besteht auch eine Möglichkeit wenn man sich ruhig verhält für Wildbeobachtung. (Fernglas) Das gemeinsame Zelten bei den Pfadfindern und sonstigen Vereinen ist sicher immer ein Erlebnis und fördert die Kameradschaft. Bei einer Biwaktour im Frühjahr wo keine Lawinengefahr mehr besteht und doch noch Schnee auf den Gipfeln liegt, ist ein Biwak ein schönes Erlebnis bzw. auch ein nächtlicher Abstieg mit Stirnlampe (nur auf markierten Wege) ein Abenteuer für die Familie! Das einzige was hier zu beachten ist, dass man die Tour eventuell schon einmal gegangen ist, und wie gesagt keine Lawinengefahr mehr besteht. Auch ein gemeinsames Kochen von einfachen Gerichten in den Bergen bei einen Biwak ist ein schönes Abenteuer, und eigentlich nicht schwierig, wenn diese Punkte beachtet werden.

Tipps für Touren mit Kinder

Abenteuer Biwak am Deneck
Wandertour Ötschergräben mit Biwak



Fazit: 

  • Das Wichtigste ist die Planung vor einer Tour
  • Das Wetter – Nie in der Finsternis bzw. Schlechtwetter auf unmarkierten Wegen unterwegs sein (ausgenommen mit Biwakausrüstung)
  • Ausrüstung – Für mich ist hier das GPS das wichtigste Instrument sowie die genaue Wanderkarte. Zusätzlich: Fernglas – Stirnlampe und Biwakausrüstung. So kann man unbeschwert in den Bergen unterwegs sein
  • Wegfindung – Hier ganz wichtig die Orientierung (GPS). Aussichtspunkte suchen und mit Karte den Weg vergleichen – Der Unterschied zu markierten Wegen ist eigentlich nur, dass man voraus schauend die Bergtour durchführt. Man muss während der Tour das Gelände durchsuchen wo der Weg ist. Ist man weglos unterwegs ist eine genaue Weg- und Geländeeinschätzung unersetzlich (Man sollte hier unbedingt Erfahrung haben - ist erlernbar) Wichtig ist auch bei der Wegfindung, dass man mehrere Möglichkeiten bei der Planung vorsieht. Es finden sich immer wieder mögliche Abstiege oder Anstiege die sich zu einer Rundtour ergänzen. Unmarkierte Wege müssen unbedingt bis zur Finsternis zurückgelegt werden (bzw. auch Nebel)
  • Zeitangaben  Ich gehe deshalb auch unmarkierte Wege weil ich alleine sein will in den Bergen. Meine Zeitangaben sind diese, die ich vom GPS abgelesen habe (reine Gehzeit + Reservezeit) Es ist mir auch sicher egal wenn ein anderer schneller unterwegs ist als ich, ich gehe deshalb in den Bergen weil ich mich erholen will, und ich lasse mich sicherlich nicht anstecken von einem Leistungszwang den man im Tal schon fast überall findet. Es soll eigentlich jedem klar sein, dass man niemanden etwas beweisen muss!!!
  • Biwak – Wie schon gesagt meine Touren gehe ich immer mit Biwak, ich selber finde das als optimale Ergänzung für unmarkierte Wege. Das wichtigste dabe: ich bin stressfrei unterwegs, auch wenn ich den richtigen Weg nicht gleich finde, bleiben meine Gedanken frei für wichtige Entscheidungen und für das Erkennen der Abenteuer, die sich auf und neben den Wegen finden! Da ich oben schon angeführt habe, dass bei Nebel die Wegfindung schlecht ist, hat man mit einen Biwak die Möglichkeit, Nebelstimmungen am Berg intensiver zu erleben. Sehr schön ist es für mich wenn ich sehe wie Nebel aufsteigt und dann eine mystische Stimmung beim teilweisen Auflösen erlebe (zB. Sonnenunter. u. Aufgänge).
© Datzi
Das Biwak mit Blick zur Überschreitung.


Ich habe hier bei Alpintouren schon viele Rundtouren auf unmarkierten Wegen veröffentlicht, im In- und Ausland. Es ist überall möglich, wenn das Wetter und die Planung stimmen und man den Mut aufbringt sich in ein Abenteuer zu stürzen, wo vielleicht nicht alles kalkulierbar ist. Ein gewisses Risiko bleibt immer wenn man im Leben etwas erleben will. Es gibt viele Möglichkeiten etwas zu erleben, wie man sieht sind auch Bergtouren dazu hervorragend geeignet. Außerdem treffe ich immer wieder Bergsteigkameraden, die das gleiche unternehmen. Ich habe schon sehr viele gute Diskussionen und Begegnungen mit Personen gehabt, wo ich noch gerne daran zurückdenke!



Anregung zur Diskussion

Welche Meinung habt ihr zum Tehma. Was sind eure Erfahrungen?
Wir feuen uns über Kommentare hier am Blog, über Mails (Betreff: "weglos") an support@alpintouren.at
oder Facebook-Einträge.


Wir haben noch einmal wichtige Fragen zusammengefasst:
  • Unmarkierte Wege: Gefahren und was ist zu beachten?
  • Wie plane ich die Tour am Besten?
  • Ist es überhaupt möglich solche Touren ohne GPS zu gehen?
  • Was macht den Reiz von unmarkierten Touren aus?
  • Stichwort: Eigenverantwortung
  • Vergleich/Erfahrung mit anderen Ländern


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