Klettern mit Kids - Aller Anfang ist leicht

Ein Bericht von Top-User und Pädagoge Adreas Koller

Aller Anfang ist wirklich leicht, was das Klettern mit Kids betrifft. Es liegt in der Natur der Kinder, irgendwo hinaufzuklettern. Sobald die Kleinsten halbwegs sattelfest auf ihren Beinen stehen bzw. laufen können, wird das Hinauf interessant, sei es jetzt am Kinderspielplatz am Kraxelturm oder in der freien Natur auf irgendeinen Felsblock. Ganz einfach nur über eine Wiese oder durch einen Wald zu wandern ist meistens für die Kids langweilig, es sei denn, man setzt einen anderen Schwerpunkt, wie Tiere beobachten oder Pflanzen erkennen. Diese anfängliche Kletterbegeisterung zu fördern liegt in der Hand der Eltern bzw. Erwachsenen und ist somit eine gute Gelegenheit, die Kinder und später Jugendlichen vom PC wegzulocken und ihnen Spannung pur zu bieten.

Familienklettersteig Galitzenklamm 
© Andreas Koller
Irgendwie verwundert es schon, wenn die Erwachsenen über die Jungen jammern, dass diese nicht mehr ins Freie gehen, stattdessen lieber vor dem Fernseher oder PC herumlungern und sich auf Seiten wie Facebook und Twitter herumtreiben. Dabei vergessen viele, dass sie selbst mit schlechtem Vorbild vorangehen, die Kinder weder für die Natur noch für Outdoor-Aktivitäten begeistern. Genauso verhält es sich auch in anderen Bereichen. Eltern, die Bücher und das Lesen als unsinnig erachten, werden diese Einstellung an die Kinder weitergeben, um sich dann zu wundern, dass unsere Jungen laut Studien nicht mehr lesen können. Eltern, die rauchen, werden dieses Laster mit großer Wahrscheinlichkeit – gewollt oder ungewollt – an ihre Kinder weitergeben. Die Vorbildfunktion der Eltern spielt also eine besonders wichtige Rolle. Im Falle des Kletterns (oder überhaupt der Sportausübung) heißt das nicht, dass die Mutter oder der Vater ein/e SpitzensportlerIn oder –kletterer/In sein muss, sondern, dass man zumindest eine gewisse Einstellung zur Bewegungsfreude weitergeben sollte. Wie gesagt, die angesprochene Kletterbegeisterung hört dann auf, wenn die Erwachsenen nicht aufhören, auf den natürlich vorhandenen Bewegungsdrang der Kleinsten einzugehen.


Pädagogische Effekte beim Klettern mit Kids


Neben der Erfüllung der Kletterbegeisterung bzw. des Bewegungsdrangs erfüllt das Klettern mit Kindern noch weitere wichtige Erfahrungsstufen im Leben eines jungen Menschen, die zur Bildung des eigenen Ichs und zur Entwicklung des Selbstwertgefühls vor allem in der Phase der Pubertät beitragen können. Dabei muss man in Betracht ziehen, wann das Kind mit dem Klettern beginnt. Insgesamt ist der Einstieg in jedem Alter möglich, wenn die Bereitschaft bei allen Beteiligten (Eltern und Kinder/Jugendliche) vorhanden ist. Besser zu spät als nie. Besser Bewegung als fettes Essen und Couch-Potato. 

© Andreas Koller

Folgende positive Effekte können beim Klettern mit Kids erzielt werden:

  • Überwindung der eigenen Angst (Höhenangst, Angst vor Ausgesetztheit)
  • Steigerung des Selbstwertgefühls (z.B. bei erfolgreicher Bewältigung einer schwierigen Stelle)
  • Selbstverantwortung (Kinder/Jugendliche sind selbst für die gewählten Tritte/Griffe verantwortlich, um zum Erfolg zu kommen, wobei das Risiko einer Verletzung im Nachstieg oder beim Top-Rope-Klettern wohl geringer ist, als beim Tennisspielen auf einen Ball zu steigen, umzukippen und sich die Bänder zu verletzen)
  • Verantwortung für andere übernehmen (z.B. wenn im Klettergarten von einer Gruppe gesichert wird)
  • Vertrauen auf sich selbst und Ehrgeiz (Schaffen einer kniffligen Passage)
  • Vertrauen auf andere (z.B. beim Abseilen)
  • Zusammengehörigkeitsgefühl und Teamwork
In jedem Fall sollte man sich einem Bergführer oder einer Bergsteigerschule oder einem alpinen Verein anvertrauen, die Kinder- und Jugendkletterkurse gerne anbieten.


Beispiel Klettergarten Hohentauern


Anlässlich der Sommersport- und Projektwoche der 4.Klassen AHS des GrG23 Alterlaa fahren die die 13/14-J jährigen SchülerInnen oft nach Hohentauern in der Steiermark. Auf dem Programm steht neben interessanten Besichtigungen wie Specksteinschleiferei oder Erzberg auch viel Natur. Dazu gehören Fischen, Wanderung zur Edelrautehütte und Klettern oder Tennis. Schon in der Unterkunft im gemütlichen Blumengasthof Draxlerhaus wird der Bezug zur Natur spürbar. Bei der Einteilung der Sportart stellt sich interessanterweise jedes Mal heraus, dass ca. zwei Drittel der Kids Klettern wählen, ein Drittel Tennis. Die Motivation dabei ist unterschiedlich. Die einen kommen schon voll als Profis mit Kletterschuhen daher, andere sind neugierig, einige wollen ihre Höhenangst bewusst überwinden usw. Die, die lieber Tennis spielen als klettern, haben plausible, ehrliche Erklärungen (nicht schwindelfrei, Angst vor der Höhe, Ausgesetztheit). Von den Kletterern bleiben später viele in irgendeiner Form dem Sport treu (so wird z.B. im Grg23 Alterlaa in den Sportmodulen der Oberstufe Klettern angeboten und je nach Jahrgang und Vorgeschichte gerne angenommen), für andere ist das Klettern ein tolles Erlebnis, das sie vielleicht wiederholen werden, eher wenige kommen darauf, dass Klettern für sie überhaupt nichts ist. 

Bergführerin Gundula Tackner 
© Andreas Koller

Der Klettergarten in Hohentauern ist ideal. Der Zustieg vom Parkplatz ist kurz, für den Abstieg lockt dann eine lange Rutsche und der Klettergarten selbst ist sehr übersichtlich (im Angebot stehen verschiedene Routen mit unterschiedliche Schwierigkeiten, ein Flying Fox etc.). Zudem sind wir in guten Händen. Die Alpinschule Hohentauern führt unsere Kletterkurse durch, wobei die Leiterin der Alpinschule und zugleich unsere staatlich geprüfte Bergführerin Mag. Gundula Tackner sehr einfühlsam mit unseren Kids umgeht. Schon vor Beginn unserer Kurse richtet sie die Routen ein und stellt die Ausrüstung (Brust-/Sitzgurt und Helm) zur Verfügung). 

Der erste Schritt ist einmal das Herumwurschteln mit dem Gurt (schon die erste Erfahrung für die Kids). Nach einer ausführlichen Erklärung des Ablaufs, der Verantwortung, der Aufgabenaufteilung jedes Einzelnen etc. kann es losgehen. Die Knoten werden stets von Gundula überprüft oder selbst gesetzt, so dass jedes Risiko ausgeschlossen werden kann. Interessant ist es, dabei zu beobachten, wie sich die 13/14-Jährigen verhalten, und ist dann selbst überrascht, was alles in ihnen steckt. Das reicht von Überwindung der Angst, Ehrgeiz bis zum Übernehmen von Verantwortung. Zu ergänzen ist noch, dass es bei der Ausübung des Klettersports auf der Sommersportwoche keine Unterschiede im Verhalten der Jugendlichen bezüglich der Herkunft gibt. Da spielt es keine Rolle, ob sie österreichische Wurzeln haben oder Kinder mit Migrationshintergrund sind. 

Galitzenklamm
© Andreas Koller

Vor Beginn der Schulveranstaltung gibt es immer einen Elternabend, da doch einige Eltern ein wenig besorgt sind, wenn sie sich vorstellen, dass ihre Kinder in schwindelerregenden Höhen herumklettern. Doch diese Zweifel sind schnell ausgeräumt und unsere Bergführerin Gundula Tackner hat ebenfalls viel Erfahrung mit Kindern beim Klettern, bietet sie in ihrem Programm doch selbst Kinder- und Familienkurse an. Spätestens wenn die ersten SMS der Kinder die Eltern erreichen, sind diese beruhigt, und jedes Kind ist noch wohlbehalten und gesund zurückgebracht worden. Und bis jetzt hat es noch allen gefallen, und das heißt schon was, wenn man bedenkt, dass die Kids alle aus der Großstadt kommen. 

Fazit


Kindern und Jugendlichen etwas zu bieten ist vielleicht doch nicht so ein Ding der Unmöglichkeit. Vor allem in Bezug auf Klettern sind sie begeisterungsfähig. Es gibt zahlreiche Kurse von Bergführern, Alpinschulen und alpinen Vereinen, die Klettern aller Schwierigkeitsgrade für Kinder, Jugendliche und Familien anbieten. Ebenso gefällt mir etwa auch der Trend, dass viele Regionen mittlerweile nicht mehr ach dem schwierigsten, ausgesetztesten und kühnsten Klettersteig streben, sondern bewusst Familienklettersteige einrichten (z.B. Familienklettersteig Galitzenklamm neben dem Hochseilgarten).

Jede sportliche Betätigung unserer Kids ist zu begrüßen, und da bietet das Klettern eine gute Gelegenheit dazu.

Familientaugliche Klettersteige und Klettertouren für Kids auf alpintouren.com

Zur Tourenbeschreibung des Klettergartens in Hohentauern 
Zur Tourenbeschreibung des Familienklettersteigs Galitzenklamm

Weitere Touren für Kids findest du auf alpintouren.com mit Hilfe der Suchmaske und den Suchworten "Familie" oder "Kinder". 



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