Ecuador – Land der Vulkane

Ein Reisebericht von Andreas Koller


Wer nach Ecuador reist, besonders ins Anden Hochland, kommt mit der Absicht, hohe Berge zu besteigen. Dabei hat Ecuador so viel zu bieten: eine lange Pazifikküste, Regenwälder im östlichen Tiefland, das sich schon zum Amazonas hin ausbreitet, und natürlich die hohen Berge im zentralen Hochland, die Straße der Vulkane. Nahezu alle lohnenswerten Gipfel sind entweder erloschene oder noch aktive Vulkane.

© Andreas Koller
Das Chimborazo Basecamp von Marco Cruz (Haupthaus)
Wer von Europa nach Ecuador fliegt, hat nicht nur eine lange Reise hinter sich, sondern wird bei etwas Wetterglück schon beim Anflug die Eisriesen Cotopaxi und Chimborazo erblicken und in der Regel in Quito, Ecuadors Hauptstadt, etwas zerknittert von den Reisestrapazen aus dem Flugzeug kriechen.

Quito enpfiehlt sich als idealer Ort, um Sightseeing zu machen und sich dabei gleich zu akklimatisieren. Immerhin liegt Ecuadors Hauptstadt auf 2800 – 3000m. Der spanische Einfluss ist überall bemerkbar, doch kommt auch das berühmte Andenflair nicht zu kurz. Besonders interessant sind dabei die Indianermärkte, die es überall im Land an bestimmten Tagen der Woche gibt. Außerdem besitzt das Land weitere interessante Städte wie Riobamba, von wo aus man auch mit der Ferrocarril (Andenbahn) sehr exponiert über die so genannte Teufelsnase fahren kann (Dachsitzplatz inklusive), Thermalbäder, das Äquatormonument, wo man von der Nord- auf die Südhalbkugel und umgekehrt springen kann, also vom Winter in den Sommer und vom Sommer in den Winter. Zum Thema passend: Es lässt sich schwer eine geeignete Reisezeit für die Bergbesteigungen ausmachen. Das Wetter ist sehr wechselhaft, die Temperaturen in Quito wirken für Europäer stest frühlingshaft. Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Schneeverhältnisse um Neujahr viel besser waren als bei meiner ersten Reise im Juli. Dennoch weiß man nie genau, welche Wetterkapriolen der nächste Tag bringen wird.

© Andreas Koller
Hohes Gras nahe des Ausgangspunktes Cruz Loma (3850 m
mit dem Rucu Pichincha im Hintergrund

Bergsteigerisch bietet das Land zahlreiche Möglichkeiten: Trekking-Touren, leichte Wanderungen, mittlere Bergtouren, Kletterberge, Eisberge, sogar Dschungelberge mit ihren oft langen, Schweiß treibenden Anstiegen. In der Regel vertraut man sich bei den Bergbesteigungen einer vertrauenswürdigen Agentur an, die dann für die gesamte Logistik und den Transport innerhlab des Landes verantwortlich ist. Zu empfehlen ist hier etwa die Agentur von Marco Cruz (www.expediciones-andinas.com ) die sich wirklich um alles kümmert. Das beginnt bei der Abholung am Flughafen und endet mit dem Transfer zum Flughafen. Das Bergprogramm kann man individuell mit Marco Cruz und seinen zusammenstellen.

© Andreas Koller 
Der Cotopaxi in der morgendlichen Sonne

Nach dem ergiebigen Sightseeing in und um Quito zieht es den ambitionierten Bergsteiger natürlich in die Berge. Erstes Ziel, von der Hauptstadt auserreichbar, ist wohl der PichinchaRucu, mit seinen stolzen 4698m stolzes Wahrzeichen der Stadt. Der Aufstieg ist nicht allzu schwierig, erfordert jedoch ein wenig Klettergeschick. Im Abstieg geht es dann rasant dahin, wenn man im Lavasand ohne große Probleme zu Tal rutscht. Eine Tour der anderen Art ist jene auf den 4200m hohen Pasachoa. Die Route startet im einzigen Regenwald des Hochlands. Hier darf man sich natürlich nicht einen strahlend blauen Himmel den ganzen Tag lang erwarten, denn nur allzu schnell ziehen durch die Feuchtigkeit Nebelschwaden auf. Trotzdem ist der Anstieg sehr abwechslungsreich und wartet sogar mit leichter Kletterei im Gipfelbereich auf. Trittsicherheit ist notwendig, weil man sich auf sehr schmierigem Terrain fortbewegen muss.

Als ersten Fünftausender wird man den IlinizaNorte erklimmen. Dieser ist 300m höher als der Montblanc und lässt sich ohne Eisausrüstung besteigen. Wunderschön dabei ist der Sonnenaufgang beim Zeltplatz, die Anstiegsroute selbst bietet kaum technische Probleme. Trittsicherheit ist dennoch unabdinglich, zumal ein paar ganz leichte Kletterstellen den Aufstieg auflockern.

© Andreas Koller
Die beiden Ilinizas vom Basecamp La Virgen (3950 m)

Nach all den Eingehtouren – von denen es noch zahlreiche weitere gibt – wendet man sich, nun vollkommen akklimatisiert, den großen Eisbergen zu. Einer der schönsten Eisriesen Ecuadors ist sicher der 5794m hohe Cayambe, der einzige vergletscherte Berg, der direkt auf dem Äquator liegt. Das Ref. Ruales- Oleas - Berge (Cayambe-Hütte) auf 4600 merleichtert den Aufstieg. Natürlich sind die Berghütten in Ecuador punkto Standard nicht mit den Alpenhütten zu vergleichen – Essen muss man selbst zubereiten und nächtliche Stürme können schon mal durch die undichten Wände pfeifen – aber die Cayambehütte ist ein willkommener Stützpunkt. Die Hauptschwierigekeit beim Aufstieg zum Gipfel liegen in der gelegentlich auftretenden Riesenspalte unter dem Gipfelhanf sowie in den Wetterkapriolen des Berges. Beständig bläst der Wind aus Osten Wolken aus dem Amazonas-Tiefland zum Berg, was sich etwa um die Mittagszeit – mal etwas früher, mal etwas später - mit einer Nebelküche auswirkt. Dann kann es am Gletscher ob der vielen Spalten und der Orientierung gefährlich werden.

© Andreas Koller
Cayambe und Ref. Ruales Oleas Berge

Traumziel jedes Andenbergsteigers in Ecuador ist der 5898m hohe Cotopaxi, der zu Unrecht als einer der leichtesten Fast-Sechstausender verschrien ist. Bei diesem Eiskoloss kommt es wirklich auf die Verhältnisse an. Bei meiner Besteigung gab es Riesenspalten, eine davon konnte nur mittels steiler Aluleiter überwunden werden, Blankeis, davon knappe zwei Seillängen im 45 – 50 Grad steilen Eis und harten Büßerschnee. Eineinhalb Jahre später bestieg ein Freund von mir den Cotopaxi ohne jegliche Schwierigkeiten. In jedem Fall weist der Cotopaxi technische Schwierigkeiten auf, die dem Montblanc ähnlich sind oder diesen gar übertreffen. Hier noch ein Tipp für die Besteigung: Das Refugio Jose F. Ribas auf 4800 m ist zwar ganz nett, aber auf die 45 Minuten Anstieg vom Parkplatz kommt es auch nicht mehr an. Also lieber im eigenen Zelt am Zeltplatz ausschlafen und dann um Mitternacht den Anstieg angehen.

© Andreas Koller
Der Kraterrand des Cotopaxi, des höchsten aktiven Vulkans der Erde

König der ecuadorianischen Anden ist zweifellos der 6310m hohe Chimborazo, damit auch einziger Sechstausender des Landes. Der Anstieg ist lange und steil. Die neue Route, die vom DAV zusammen mit Marco Cruz eingerichtet worden ist, soll den gefährlichen Steinschlag verhindern und soll eine Übernachtung in den Selbsversorgerhütten des Ref. Carrel, 4840 m, sowie des Ref. Whymper, 5000 m, überflüssig machen. Der Aufstieg beginnt um 23 Uhr und nagt an der Psyche der Bergsteiger, da man fast die gesamte Zeit in der Dunkelheit mit Stirnlampe aufsteigt, zuerst über Blockwerk, durch ein rutschiges Couloir, dann ewig lang am gleichmäßig steiler Gletscher, der eine Neigung von 35 – 45 Grad aufweist. Ein weiteres Risiko stellt die oft vorhandene Lawinengefahr auf den steilen Hängen dar, wie die Statistik der Lawinentoten am Chimborazo eindrucksvoll belegt. Neuschnee und starker Wind sind dabei immer der Baumeister der Lawinen. Daher darf man diesen Eisriesen nur bei wirklich sicheren Verhältnissen (also nicht nach Neuschneefällen mit Windverfrachtung) besteigen.

© Andreas Koller
Blick aus dem SW auf den Chimborazo 
(Anstiegsroute ist der W-Grat links im Bild)

Noch ein abschließendes Wort zu den Bergführerargenturen: Unter diesen herrscht ein großer Konkurrenzkampf, bedeuten doch europäische und nordamerikanische Bergsteiger gute Einnahmen. Ich habe hier guten Gewissens Marco Cruz‘ Agentur empfohlen, weil ich hier nur beste Erfahrungen gemacht habe. Dass die Besitzer anderer Agenturen da vielleicht eifersüchtig werden, beweist der Feedback-Kommentar unter meiner Chimborazo-Tour auf www.alpintouren.com. Zur Reiseplanung kann man noch sagen, dass man sich entweder gleich an eine der Bergsteiger-Agenturen in Ecuador wendet oder man sich einem europäischen Veranstalter von Bergreisen nach Südamerika anvertraut.

Wer sich dazu entschließt, Ecuador zu entdecken und die großartigen Berge des Landes zu besteigen, auf den wartet ein tolles Erlebnis mit fantastischen Eindrücken, die einen das ganze Leben begleiten werden.

Andreas Koller

Wenn auch ihr einmal einen Gastbeitrag über eure Bergabenteuer schreiben wollt oder Themenanregungen habt, freuen wir uns auf Kontaktaufnahme.


Kommentare

Amerika-Peru hat gesagt…
Bergabenteuer sind toll, wir sind hier in Peru auf die hohen Berggipfel gewandert, aber mir wurde immer schlecht oder fehlte die Luft, dann noch Sonnenbrand und so hab ich mich dann doch eher für die Selva Central entschieden...warm und nicht so hoch oben :-)

Grüße aus Lima
Mike

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