Bergtouren mit Hunden im Sommer

alpintouren.com ist auf den Hund gekommen. Bergtouren mit Hunden können doch nur Vorteile haben: der herrliche Auslauf und die Natur sorgen dafür, dass sich die Vierbeiner so richtig austoben können, oder?
Was man bei Touren mit Hunden alles beachten sollte, erzählt heute unser Gastautor Andreas Koller, der leidenschaftlich gerne in Begleitung seiner Hundedame am Berg unterwegs ist. 

Unterwegs mit Hunden im Sommer

von Andreas Koller

Als ich – durch verschiedene Umstände – auf meine Hundedame Carla kam, dachte ich, dass ich mein Leben komplett umstellen, meine Bergtouren einschränken und umändern müsste. Dennoch begann ich mit Carla Touren zu gehen, obwohl ich anfangs nicht wusste, was da auf mich zukam. Umso mehr als Carla nicht so einfach zu führen war – wenn man ihr Vorleben bedenkt: mit einem Jahr Junge auf einem bulgarischen Bauernhof, dann auf der Straße ausgesetzt, durchgekämpft, wieder zurück gefunden, dann in eine bulgarische Hundetötungsstation abgeschoben, im letzten Moment nach Österreich gerettet.

Kurz: Jetzt bin ich froh, dass meine Terriermischlingshundedame bei mir ist, ist sie doch eine treue Bergkameradin auf vier Pfoten geworden. Natürlich musste ich selbst erst in die Rolle des Rudelführers hineinwachsen, lernte selbst erst mit einem Hund eine Tour zu planen und durchzuführen. Dabei half mir der Hundeschweiger Bernhard Kainz ( www.hundeschweiger.at ) sehr mit seinem ganz natürlichen Ansatz, bei dem eigentlich mehr der Mensch als Hundeführer zu lernen hat als der Hund selbst, der sich dann auf den Rudelführer ohnehin einstellt und wirklich Hunzi sein darf, ohne Verantwortung, ohne Stress. So funktionieren auch die Touren viel leichter und Mensch und Hund können sich über gelungene Naturerlebnisse freuen. Ebenso geholfen haben uns das Praxisseminar bei Bernhard Kainz, der einige davon im Jahr anbietet (z.B. in Groß Schweinbarth/Niederösterreich oder Soboth/Steiermark).

Auf dem Kerschkern
© Andreas Koller
Trotzdem bleiben einige Entscheidungen beim Rudelführer, bevor man eine Tour startet. Erstens muss man sich im Klaren sein, dass für einen Hund eine Bergtour immer noch ein Jagdausflug ist und kein Gipfelsturm. Meiner Carla ist es z.B. vollkommen egal, ob sie im Gipfelbuch steht oder nicht. Umso interessanter ist das Herumschnüffeln, die Bewegung, das Erlebte. Sie schaut in die Ferne, weil man da etwa andere Tiere, ein interessantes Ziel entdecken könnte, nicht, um die Aussicht zu genießen. Fotografieren ist ihr genauso total egal, obwohl sie mittlerweile doch schon gelernt hat, dass Herrli da immer mit dem komischen Gerät herumtut, sie posen muss und in die Kamera schauen sollte – gelingt nicht immer.

Tourenplanung mit Hunden

Mein erstes Problem war die Planung der Unternehmung. Was kann ich dem Hund zumuten? Ist er schwindelfrei? Welche Höhe verträgt er? Was, wenn da leichte Kletterstellen zu überwinden sind, etwa Felsblöcke? Was passiert, wenn das Gelände ausgesetzt wird?

Zur Beantwortung aller Fragen: Meine Terriermischlingsdame hat eine Schulterhöhe von nicht ganz 50cm und ist – wie es sich für einen Terrier gehört - sehr stabil und mit Kraft strotzendem Körperbau ausgestattet. Um die oben aufgeworfenen Fragen kurz zu beantworten: alles kein Problem! Ich unternahm mit ihr eine lange Tour auf den Kerschkern, wobei wir insgesamt 1500Hm abspulten. Carla hatte kein Problem mit dem gewaltigen Höhenunterschied. Sie wurde zwar müder, dafür trabte sie mir dann immer dicht an den Fersen nach. Nach einem Nickerchen in der Herbstsonne am Gipfel war sie wieder voller Tatendrang.

Über Felsblöcke am Kettentalkogel
© Andreas Koller

Dann machten wir eine Tour zum Kettentalkogel, wobei der Gipfelanstieg unmarkiert ist und über große Blöcke führte. Für einen Menschen nicht wirklich ein immenses Problem, Carla dachte zuerst, da ginge es nicht weiter, sie müsse umdrehen. Aber siehe da, als ich auf den Felsen stieg, folgte sie mir total geschickt, nutzte eine kleine Nische aus und war im Nu am Felsblock. Beim Rückweg musste ich ihr die Idealroute gar nicht mehr zeigen. Da sowohl bei dieser Bergtour auch ein paar Gratstellen zu bewältigen waren, wusste ich nun, das Schwindelfreiheit und Trittsicherheit für einen Hund im Normalfall kein Problem darstellte.

Ebenso wollte ich herausfinden, ob die Höhe meiner Carla irgendetwas ausmachte. Daher nahm ich sie auf ihren ersten 3000er mit: den Igl Compass im Schweizer Graubünden. Man kann es ahnen: auch kein Problem.
Blick auf den NO-Grat zum Igl Compass
© Andreas Koller

Die Ausrüstungsfrage

Was schleppe ich alles am Berg mit, wenn ich mit Carla unterwegs bin. Grundsätzlich einmal die eigenen Sachen, zusätzlich ein paar Dinge für den Hund. Da wäre z.B. eine spezielle Wasserflasche mit einer aufklappbaren Schüssel. Zwischendurch stärkt sich Carla natürlich auch an Gebirgsbächen. Natürlich darf ein Futter (etwa in Form von Leckerlis oder Trockenfutter) nicht fehlen. Bei unseren Pausen (für den Hund: Jagdpausen) hatte ich früher für mich alleine immer einen köstlichen Apfel. Mittlerweile muss ich diesen mit Carla teilen. Für sie extra einen mitzunehmen bringt nichts, denn den schaut sie nicht an. Dafür ist meiner umso interessanter, wobei sie nur das Fruchtfleisch mag. Als Rudelführer gebe ich ihr hie und da ein Stück Fruchtfleisch, indem ich dieses abbeiße und hinwerfe. Natürlich kann man auch den Hund dessen Nahrung, Wasser usw. tragen lassen.

Der Rucksack für den Hund
© Andreas Koller

Es gibt ganz praktische Seitentaschen für Bergsteigerhunde. Ich verwende diese zwar nicht immer, aber im Großen und Ganzen hat das einen guten Effekt, weil Hund etwas zum Gelingen der Tour beitragen muss. Auf der Hirschwand im Dunkelsteiner Wald hatte Carla ihren „Rucksack“ dabei. Außerdem ist aus Sicherheitsgründen immer ein Beißkorb im Rucksack dabei – der findet aber nur in brenzligen Situation oder Notfällen Verwendung (z.B. wenn Hund sich anschickt zu jagen oder auf Konfrontation mit anderen Hunden geht oder etwa auf andere Wanderer hinschnappt). Ich brauchte den Beißkorb noch nie!

Ein weiteres Thema ist der Gebrauch einer Leine. Zuerst muss man sich entscheiden, ob man den Hund vollkommen frei laufen lässt, was durchaus möglich ist, wenn die Bindung Hund – Mensch sehr tief ist und wenn Mensch wirklich Rudelführer ist und jederzeit Einfluss auf Hund hat. Aber wer hat das schon!?! An der kurzen Leine führe ich Carla bei Bergtouren nie, das ist nicht Sinn der Sache. Um trotzdem Kontrolle über sie zu haben (falls etwa der Jagdtrieb durchbricht), verwende ich fast immer eine Schleppleine (manchmal 10m, manchmal 20m). Diese hat den Sinn, dass ich – auch wenn sich der Hund 10 oder 20m wegbewegt – immer noch Einfluss auf dessen verhalten habe (kann im Notfall auf die Leine steigen, und ein Jäger kann auch nichts sagen, weil ich den Hund unter meinem Einfluss habe). Die Schleppleine schleppt – wie der Name schon andeutet – der Hund hinten nach. Überquere ich eine Viehweide (Anleinpflicht für Hunde!), nehme ich die Leine kurz, Carla geht neben mir bei meinem Knie, der Rest der Leine schleift nach und stört nicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Hund mehr arbeiten muss mit einer Schleppleine und dass ich Carla stoppen und zum Posen bringen kann, wenn ich mit ihr eine Foto machen will. Die Schleppleine wird entweder am Halsband angebracht wie bei unserer Tour auf den Pfannock – hier hat Carla auch nur die 10m-Schleppleine – oder am Brustgeschirr eingehängt. Eigentlich bevorzuge ich letztere Methode, denn wenn sie abzischen will und ich auf die Leine steige, dann wird sie im Brustkorbbereich abgebremst. Das Halsband könnte eventuell auf den Kehlkopf drücken – und Carla kann sehr schnell unterwegs sein.

Die Schleppleine wird am Halsband befestigt ...
© Andreas Koller

Bei der Tour von der Karneralm im Lungau auf den Feldernock sieht man, wie die 10m-Leine im Brustgeschirr eingehängt ist. Bei der Tour über den Wechsel verwendete ich Brustgeschirr + 20m-Schleppleine. Bei der Hochwechselüberquerung hatten wir noch ein weiteres schönes Erfolgserlebnis (also eigentlich Carla mehr als ich). Wir kamen zu einem Weiderost. Wie gewohnt ging ich, ohne zu zögern, drüber, Carla stoppte. Ich zeigte ihr die Umgehung und sie folge mir. Beim Abstieg, als wir wieder zur selben Stelle kamen, wollte mir meine Hundedame nicht bei der Umgehung folgen, sondern wagte sich über die die Eisenstangen. Als sie die „Überschreitung“ erfolgreich bestanden hatte, hat man richtig den Stolz in ihren Augen.

... oder am Brustgeschirr
© Andreas Koller

Tierische Begegnungen im Gelände

Der letzte Punkt, der mich anfangs noch beschäftigt hat, ist die Begegnung mit anderen Tieren wie Weidevieh, Wildtiere oder andere Menschen bzw. Wanderer. Wenn man den Hund bei den üblichen Gassi-Runden unter Kontrolle hat, so wird man auch hier kaum Probleme haben. Die Begegnung mit anderen Wanderern stellt für Carla überhaupt kein Problem dar – außer wenn anderer Mensch etwas Essbares aus dem Rucksack auspackt. Dann wird mit den süßesten Augen gebettelt, dass es Herrli schon höchst peinlich ist. Bei der Begegnung mit anderen Hunden verhält es sich so wie bei den Gassi-Runden. Ich weiß z.B., dass Carla es nicht wirklich schätzt, wenn ihr ein anderer Hund zu stürmisch zu nahe kommt. Mit der Schleppleine habe ich hier die Möglichkeit, Carla zu kontrollieren, sie kurz zu nehmen, eventuell – falls es notwendig ist – den anderen Hund abzudrängen oder einzubremsen. Bei unseren ersten Touren hatte Carla sichtbar große Angst vor diesen großen Hunden – wir Menschen nennen diese Tiere Kühe. Auch hier half mir die Schleppleine, denn ich nahm Carla kurz und führte sie in einem Bogen um die Kühe. Meine Hundedame fühlte sich sicher und ging brav mit. Mittlerweise sind wir auch an diese gefleckten oder nicht gefleckten Riesenviecher gewöhnt, selbst wenn sie lange Hörner haben und aus Schottland stammen.
Schnüffeln erlaubt
© Andreas Koller

Ein eigenes Kapitel ist der Jagdtrieb, den falls alle Hunde in sich tragen. So eingespielt ich mit meiner Hundedame schon bin, ganz traue ich ihr in dieser Beziehung immer noch nicht. Bei unserer Tour über die Reisalpe beschäftigte sich Carla sehr intensiv mit Murmeltierkunde, rannte einem dieser Spezies nach und zeigte mir jede Murmeltierhöhle, was natürlich riesige Umwege zur Folge hatte. Sonst ist sie im Grunde, auch was das Jagdverhalten betrifft, sehr brav und wir hatten am Berg noch nie größere Probleme – aber trauen kann ich ihr in dieser Beziehung wirklich noch nicht 100%.

Macht man eine Ausbildung beim Hundeschweiger Bernhard Kainz ( www.hundeschweiger.at ) lernt man mit all diesen Situationen umzugehen, auch wenn man nicht immer zu 100% erfolgreich ist. Der Hund macht dem Menschen nichts zu Fleiß, er handelt ganz nach seinem Instinkt. Wenn Hund und Mensch eine enge Bindung haben und der Mensch wirklich ein Rudelführer ist, kann man mit Hunzis am Berg viel Spaß haben und erlebt die wundersamsten, erstaunlichsten und lustigsten Dinge. Zum Beispiel lieben Hunde es, sich im Kuh- oder Stierdreck oder allem, was stinkt, zu suhlen. Man kann sich nun das angenehme Duftaroma im Auto bei der Rückfahrt vorstellen! Oder wenn wir in ein Gewitter geraten wie auf der Koralpe vor kurzem. Meine liebe Hundedame suchte jeden Unterschlupf auf und erwartete, dass ich mich mit ihr in eine 70cm hohe Minihöhle zwänge. Das spielte es dann wohl doch nicht…und wir wurden beide waschelhundenass.

Abenteuer für Tier und Mensch

In jedem Fall kann ein Hund eine wirkliche Bereicherung bei den Bergtouren sein, sofern man als Team dann so eingespielt ist, dass die Unternehmung wirklich stressfrei verläuft. Sonst heißt es: Zurück zum Hundeschweiger und brav üben!

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich bei meinen Touren in Colorado/USA so viele Hundebegegnungen hatte - mit durchwegs angenehmen Hunden (die haben wohl alle beim amerikanischen Hundeflüsterer Cesar Millan trainiert) – dass es mir wirklich leid tat, meine Carla nicht dabei zu haben (wollte ihr den strapaziösen Flug mit Beruhigungsmitteln in einer kleinen Tierbox nicht antun).

Insgesamt hatten wir schon so viele schöne Erlebnisse und Touren, dass ich Carla am Berg nicht mehr missen möchte. Zum Glück habe ich auch die Möglichkeit, Carla bestens unterzubringen, wenn sie mal nicht mit kann (z.B. bei Kletter- oder Klettersteigtouren).

In diesem Sinne: Berg heil und ein dickes Wuff!
Carla & Andreas Koller


Kommentare

steven schmidt hat gesagt…
ich mache auch alle wanderungen mit meinem hund und sie hat deutlisch spass daran, es gibt doch nichts schöneres als mit dem besten freund die berge unsicher zu machen.
Sportler hat gesagt…
Mein Hund ( Labrador Mischling) ist auch überall dabei und ich muss Steven recht geben, was gibt es schöneres? Außerdem treffe ich häufig Wanderer mit Hund und die flitzen dann über die Wiesen während man mit den Besitzern gemütlich in der Wiese sitzt und über die Eindrücke und Natur quatscht. Immer wieder herrlich!
Lakritz R. hat gesagt…
Guten Tag, ich besuchte ihre Seite und fand die sehr interessant und werde daher auf der Seite http://Hund-Lakritz.de Ideen aufgreifen wollen um die bestehende Seite meines Hundes http://Hund-Lakritz.de besser zu gestalten. Sollten Einwände bestehen bitte ich schon jetzt Kontakt aufzunehmen. Danke. Mit freundlichen Grüßen
Claus hat gesagt…
Welches Brustgeschirr empfehlt ihr denn - ich habe einen 30 Kilo schwere Hovarwarthündin
Andreas Koller hat gesagt…
Also ich habe vor zwei Wochen ein neues Brustgeschirr von Hurrta besorgt, bei www.perro.at bestellt.
Neben der geschätzten Größe bat ich die Größe zu prüfen und gab folgende Daten meines Hundes an: Brustumfang, Halsumfang, Länge (Halsansatz bis Schwanzansatz).
Ich bekam ein perfekt passendes Geschirr und habe es schon ausprobiert. Mein Urteil: leicht, sitzt ausgezeichnet und erlaubt dem Hund sehr viel Bewegungsfreiheit.
Sollte das Geschirr trotzdem nicht passen, tauscht es Perro anstandslos um.
LG Andreas Koller
Andreas Koller hat gesagt…
Sorry, schreibt man HURTTA! :)

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